Die Frage der späten Geburt

– Resumen –

Ya han pasado mas de 60 años desde el fin de la Segunda Guerra Mundial. La reflexión per­sonal sobre esta guerra y la ideología del Nacional-Socialismo es en Europa y, por su­puesto, en Alemania bastante evidente en la educación y en la discusión pública. Sin em­bargo, ¿cómo podemos nosotros, los que hemos nacido  muchos años después de esta gue­rra, tener acceso a estos años tan terribles que están tan lejos de todo lo que cono­cemos?

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Ich bin im Jahre 1989 zur Welt gekom­men, im Jahr des Mauerfalls. Vierzig Jahr zuvor war die Bundesrepublik Deutsch­land, im andern Teil Deutschlands die Deutsche Demokratische Republik Deutsch­­­­land gegründet worden. Fünfzig Jahre zuvor war mit dem deutschen Überfall auf Polen der zweite Weltkrieg ausgelöst worden. Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts (zumindest in unserem Teil der Welt), in der Hauptrolle ein kleines geiferndes Männchen, dessen Schnauzbärtchen uns heutzutage zur Symbolisierung des ultimativen Bösen taugt, ein Ereignis, das unseren Ge­schichtsunterricht in ein ante H. und ein post H. teilt. Nun bin ich eine Nach­geborene, lange danach Geborene, Nutz­nießerin der „Gnade der späten Geburt“. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich über die Umstände, über das „Wie-waren-Hitler-und-sein-‚drittes-Reich‘-möglich“ informiert bin, dass diese Vor-, Kriegs- und Nachkriegsjahre eine hervorgeho­bene Rolle in meinem Geschichtsunter­richt gespielt haben, dass ich als in Deutsch­land geborenes Kind im Be­wusstsein dieser Ereignisse erzogen wer­de, Museen, Mauthausen und Mahn­male besuche. Nur: Wie kann ich zu diesem monströsen Klotz in unserem Geschichts­bewusstsein einen Zugang fin­den? Wie kann ich mich damit auseinan­dersetzen, wie sollen wir später unseren Kindern davon erzählen, wenn wir nicht wollen, dass die Ereignisse vergessen werden, dass sich Ähnliches wieder er­eignen kann?

Meine Großväter mahnen gebetsmühlen­artig ans Erinnern. Erinnere dich der furcht­baren Dinge, der Grausamkeiten, des Krieges – Ich frage: Wie soll ich erin­nern, wenn ich nicht erlebt habe? Er-innern kann ich etwas, das ich irgendwo innen in mir trage. Ich aber habe noch nie einen getöteten oder gefolterten Men­schen gesehen, Krieg kenne ich nur aus intellektuellen Begriffsstreitigkeiten und aus der Tagesschau, Hunger hatte ich noch nie, weder mein Vater noch meine Brüder sind im Krieg gefallen, ich habe keinen Führer, den ich als göttergleich preisen könnte. Was soll ich denn er­innern? Natürlich, ich weiß es doch, ich weiß, dass mich nur 70 Jahre trennen von diesen Jahren, über die meine Großeltern noch aus direkter Erfahrung erzählen können. Aber im Grunde sind sie mir nicht näher als das Mittelalter, im Grunde erinnere ich mich an Hitler ebenso wenig wie an Robespierre unter der Guillotine. Franzosen kenne ich als Austauschschüler und nicht als Erbfeinde, mit einer Deutschl­andkarte, die Schlesien, Pom­mern und Ostpreußen einschließt, iden­tifiziere ich mich so sehr wie mit einer Zeichnung des Superkontinents Pangea. Ich habe diese Zeit nicht erlebt.

Wir sind jung, schon unseren Kindern kann kein Opa mehr Erlebtes berichten. Das Entsetzen, das unseren Großeltern als „Nie wieder!“ in den Knochen steckt, hallt in uns nur noch nach. Wir brauchen neue Formen der Auseinandersetzung.

Claudia Müller

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