Ein erstes Wiedersehen

Persönliche Eindrücke am Rande einer interessanten und wunderschönen Reise nach Polen

– Resumen –

En 1944 mi madre visitó Wro­claw la última vez. En esa época una ciudad alemana, Wroclaw hoy está situada en Polonia. Muchos años más tarde ella y yo regresamos a Wroclaw para buscar huellas del pasado. Ambas notamos que mucho cambió, la casa antigua fue destruida por las bombas. Sin embargo o por eso, el pasado alemano-polaco es omnipresente. La búsqueda fue emocionante. En una tienda de antigüedades encontramos el mapa de la ciudad antes de 1945 con el nombre de las calles en polaco y alemán, y así fue como encontramos la calle donde mi madre pasaba sus vacaciones en casa de su tía „Alte Friedrichstraße“. Aunque la casa ya no existe, mi madre aun recuerda que a través de la ventana podía ver que por las hendiduras de los vagones del tren se asomaban los ojos de las personas que eran deportadas y enviadas al campo de exterminio de Auschwitz, es algo que ella nunca va a olvidar. También, encontramos  ayuda en dos polacos que nos acompañaron y tradujeron las cosas. Juntas con los polacos, nos tropezamos con puertas abiertas. Des­pués de este viaje ambas queremos regresar mejor con más conocimientos del idioma polaco para poder comunicarnos con la gente.

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Im Herbst 1944 besuchte meine damals knapp 18-jährige Mutter zum letzten Mal ihre in Breslau lebende Verwandtschaft- es war ein trauriger Abschied von ihren Lieben, voller banger Vorahnungen und Ungewissheiten. Aber die wenigen glücklichen und unbeschwerten Jahre ihrer Kindheit waren ohnehin längst vorüber und der Krieg hatte die Jugend meiner Mutter geprägt.

Oft schon hatte sich meine Mutter gefragt, ob es wohl gut für sie sein mag, den Ort der fröhlich verbrachten Ferien aufzusuchen – Sommerferien, die sie als Berliner Stadtkind mit ihren Eltern in Stephansdorf (etwa 45 km von Breslau entfernt) verbrachte. Und ob es richtig ist, noch einmal in Breslau nach der Umgebung der Alten Friedrichstraße zu suchen, in der sie zu Kriegsanfang ein Jahr lang bei ihrer Lieblingstante und deren Familie lebte.

Nun, etwa 65 Jahre nach ihrem letzten Besuch in Breslau, ergriffen meine Mutter und ich die Gelegenheit der organisierten und bereits in der Ankündigung so gut ausgedachten Reise der „Freireligiösen Gemeinde“ nach Breslau, um dieses uns fremde Land ein kleinwenig kennen zu lernen und zugleich auf unsere persön­liche Suche nach Spuren der Kindheit und Jugend zu gehen.

Der engagierte und interessierte Reisel­eiter unserer Gruppe hatte meiner Mutter bereits vor Beginn der Fahrt Informa­tionen und Kartenmaterial zu­kommen lassen, das unser Gefühl bestärkte, neben all den so interessanten gemeinsamen Programmpunkten der Reise (Friedens­kirche, Auschwitz, Piasten­schloss, Besuch der ehemaligen Frei­religiösen Feierhalle und vieles mehr) wenn möglich einen kleinen Abstecher nach Szcepanow (damals Stephansdorf) und in die ul. Nasypowa (früher Alte Friedrichstraße) wagen zu wollen. Es kostete uns trotz der unterstützenden und guten Vorbereitung seitens des Reiseleiters und trotz des Erwerbs einer Karte in einem Antiquariat nahe der Breslauer Universität („Plan der Haupt­stadt Breslau Wroclaw und Umgebung vor 1945 mit Straßen­verzeichnis damals und heute“) ein bisschen Mut, eigenständig und ohne jegliche polnische Sprach­kenntnisse un­ter­­wegs zu sein.

Zunächst suchten also meine Mutter und ich die Alte Friedrichstraße in der Nähe des Wroclaw’er/Breslauer Bahnhofs auf. Wir begannen unseren Weg von dort aus, wo meine Mutter damals als Kind und Jugendliche mit ihren Eltern von Berlin aus angekommen war und den Weg zu ihrer Tante und deren Familie nahm. Der Breslauer Bahnhof ist durch seine schmalen Türme dermaßen markant, dass er leicht wiederzuerkennen war und meine Mutter erinnerte sich nach und nach sogar an den konkreten Weg in die ihr vertraute Straße direkt an den Bahngleisen. Das Haus, in dem ihre Verwandtschaft damals lebte (Haus­nummer 22) fiel den Bomben kurz vor Kriegsende zum Opfer – so wie fast alle Häuser dieser Straße und der an­grenzenden Straßenzüge. Übrig blieb nur noch das eine hohe Haus unmittelbar nebenan (Nr. 22 A), an dem die glatten, fensterlosen Seitenwände und die beschädigte Fassade noch die Folgen des Krieges erkennen lassen. Wir schauten in den ersten Stock hinauf – aus dieser Höhe hatte meine Mutter so oft aus dem Fenster auf die nur wenige Meter entfernt liegenden Arkaden unterhalb den Bahnschienen geschaut – auf die vorbeifahrenden Reisezüge und in die Augen der armen Menschen, die in Viehwagen vermutlich nach Auschwitz gebracht wurden. Niemals wird meine Mutter diese Augen vergessen und schon oft hat sie mir und meinem Bruder davon erzählt.

Wesentlich mehr Mut kostete es meine Mutter und mich allerdings, zu zweit mit der Bahn nach Szcepanow zu fahren! Wir erhielten viele sinnvolle und nützliche Ratschläge und schafften es, den richtigen Bahnsteig („peron“) ausfindig zu machen und uns die entsprechenden Fahrkarten zu lösen. Da mein Blick für englisch­sprachige Studenten/-innen mittlerweile geschult war, kamen wir mit einer jungen Geschichtsstudentin ins Gespräch, die in denselben Zug einstieg. Wie aufgeregt waren wir, als die Zugfahrt in das Breslauer Hinterland begann! Uns gegen­über saß eine ältere Dame, die uns freundlich immer wieder zulächelte und nach draußen auf die schöne Landschaft deutete – sprachlich verständigen konnten wir uns leider nicht, was wir wirklich sehr bedauerten. Die junge polnische Studen­tin fragte die ­Fahrkartenkon­tro­lleurin in unserem Namen nach den Mö­glich­keiten des Weiterkommens ab dem Zielbahnhof Sroda Slaska (früher: Neu­markt). Das Lachen der Kontrolleurin ließ uns stutzen und ihre Antwort war richtungsweisend: „Man geht zu Fuß weiter nach Szcepanow…!“ Als wir den geschlossenen Bahnhof in Neumarkt und die alten und kaputten Gebäude ringsum sahen, war uns klar, dass wir hier weder einen Bus noch ein Taxi finden werden. So zogen wir los – zu Fuß. Das Wetter schlug um, es wurde kälter und begann zu regnen und wir bekamen leise Zweifel, ob wir vielleicht nicht mutig, sondern leichtsinnig waren, uns auf diese Reise in die Vergangenheit begeben zu haben. Aber die Neugier und unser Interesse waren so groß, dass wir auf der Land­straße einfach immer weiter liefen – den Blick auf die alten Mauern um Stephans­dorf gerichtet, dessen Silhouette meiner Mutter nach und nach immer bekannter vorkam. Plötzlich sahen wir ein Auto uns langsam entgegenkommen – ein Auto mit Marburger Kennzeichen (mein Wohnort). Wir winkten diesem Auto zum Gruß zu, ein freundliches Ehepaar hielt an und fragte, ob sie uns helfen könnten…meine Mutter und ich sähen so aus wie sie selbst, als sie vor wenigen Monaten in der Ukraine das Elternhaus der eigenen Familie gesucht hatten! Schnell kamen wir miteinander ins Gespräch und noch heute kann ich über diese schöne Begegnung nur staunen und mich immer wieder darüber freuen! Dieses Ehepaar, geboren und aufgewachsen in der Nähe von Stephansdorf und wohnhaft seit vielen Jahren in Marburg, war genau zu diesem Zeitpunkt unserer Erkundungstour von deren alter Mutter losgeschickt worden, um Tomaten für ein Essen zu kaufen – mit dem Hinweis, es habe auch nach dem Krieg noch in Stephansdorf eine Gärtnerei gegeben. Vielleicht könne man dort Tomaten kaufen. Als meine Mutter erzählte, dass sie eine Gärtnerei in Stephansdorf sucht, in der sie als Kind zusammen mit ihrer Cousine so oft Blumen und Obst und Gemüse gekauft hatte, konnten wir alle über diesen Zufall nur staunen! Das sympathische Ehepaar bot uns an, uns auf unserer Suche nach der Gärtnerei, dem alten Kolonial­warenladen und dem Elternhaus der Breslauer Verwandtschaft, in dem meine Mutter ihre Sommerferien so gerne verbrachte, zu begleiten. Die polnische Heimatsprache der beiden öffnete uns die Türen und wir kamen in Kontakt mit den Menschen und ihren Nachkommen, die nach dem Krieg oder wenige Jahre später in Szcepanow angekommen waren und seitdem dort leben.

Das Sommerferienhaus und die Gräber verstorbener Verwandter fanden wir zwar nicht. Aber die Gebäude des damaligen Lebensmittelladens und der früheren Gärtnerei wiederzusehen und die in der Erinnerung noch vertraute dörfliche Atmosphäre zu spüren, empfand meine Mutter als ein einmalig schönes Erlebnis! Zudem begegneten wir zugewandten und freundlichen polnischen Dorfbewohnern, die sich große Mühe gaben, sich für uns und mit uns an die früheren Gegeben­heiten gemeinsam zu erinnern. Wir sind sehr glücklich über diese Begegnungen und dankbar für die Hilfe des polnisch-deutschen Ehepaares, das uns schließlich noch zurück zum Bahnhof Sroda Slaska brachte.

Wir fuhren mit der Bahn zurück nach Wroclaw, noch einmal vorbei den Fenstern des ersten Stockwerks in der Alten Friedrichstraße und vorbei an dem Bahnbereich, in dem sich jene beherzte Breslauer Tante mit ihrer Tochter gerade noch rechtzeitig in den letzten Kriegswochen in einem Waggon versteckt hatte und aus Breslau floh.

Sicher: Es war eine Reise in die Ver­gangen­heit, die meine Mutter und ich angetreten hatten. Aber zugleich war es auch eine Reise in der Gegenwart und die Zukunft. Die polnischen Menschen, die heute dort leben, wo die Verwandten meiner Mutter früher ihre Heimat hatten, haben dasselbe Schicksal erlebt wie die vertriebenen deutschen Familien: Sie haben ihre Heimat verloren, sie wurden vertrieben und waren im neuen Zuhause nicht willkommen. Sehr gut ist es für meine Mutter und mich, dies nachemp­finden zu können und trotz aller schlimmen geschichtlichen Ereignisse ein Gefühl der Verbundenheit und gegen­seitigen Freundlichkeit gespürt zu haben! Und wenn wir gesund bleiben, wünschen wir uns ein ZWEITES WIEDERSEHEN in Szcepanow.

Margit Wagenhäuser

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