Der bittere Preis des Fortschritts

Europa die alte Welt zu nennen bewahrheitet sich zunehmend in einem ganzen anderen Sinne – Europa altert. Seit Jahren vollzieht sich ein demographischer Wandel, die Geburten gehen zurück und die Menschen werden immer älter. Die Alten stellen bereits oder werden spätestens bei den nächsten Bundestagswahlen in Deutschland eine ernstzunehmende Gesellschaftsgruppe darstellen – und das allein aus demographischen Gründen.

© Marieke Wagenhäuser

Die Gruppe derer, die in den nächsten Jahren das Rentenalter erreichen wird, wächst stetig an und summiert sich zu den bereits im Ruhestand stehenden Rentnern – sie werden zahlreicher, ihre Bedürfnisse werden dringender, ihre Situation prekärer, sie gehen zur Wahl und sie werden nicht gehört. Konträr zu jedem demokratischen Verständnis von Interessenvertretung durch gewählte Abgeordnete sind es immer wieder vor allem unsere älteren Mitbürger, die unter den Finanzsparplänen der Regierung zu leiden haben. Und das sollte uns sorgen. Uns alle, und zwar nicht nur aus dem Prinzip der Nächstenliebe, sondern weil wir alle unweigerlich älter werden und irgendwann im Alter unser Großväter sind und immer noch jeden Tag um 7 Uhr zur Arbeit aufbrechen, anstatt uns in einem großen Schaukelstuhl zurückzulehnen und unseren Lebensabend zu genießen.

Und das haben lange nicht nur die Rentner erkannt. In Frankreich war am 7. September 2010 „La grève générale“-  Generalstreik. Geschätzte 1 bis 2,5 Millionen Menschen gingen auf die Straßen, um ihrem Unmut Luft zu machen. Denn die Regierung plant die Erhöhung des Pensionsalters von 60 auf 62, eine ungekürzte Rente wird es in Zukunft nur noch mit 67 geben und das auch nur, wenn man nicht wie vorher 40,5 Jahr, sondern 41,5 Jahre seinen Beitrag zu den Rentenkasse geleistet hat. Nicht nur junge Menschen müssen schneller in den Job finden und möglichst ohne Unterbrechung beschäftigt sein, sondern sie müssen auch zukünftig im hohen Alter länger fit bleiben, allein schon, um ihren Arbeitsplatz nicht an einen jüngeren Menschen zu verlieren. Besonders umstritten ist auch die Anhebung des Renteneintrittsalters für besonders gesundheitsbelastende Berufe. Deswegen streiken die Franzosen. Deswegen fuhren am 7. September keine Busse, flogen keine Flugzeuge und schlossen die Kindergärten, Schulen, Arbeitsämter und Postfilialen. Deswegen gingen hunderttausende Menschen auf die Straße.

© Marieke Wagenhäuser

Gehören die Franzosen europaweit noch zu denen mit dem niedrigsten Renteneintrittsalter, geht es in Deutschland noch um ein paar Jahre mehr. Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt hier schon bei 65, aber ein Ende ist nicht in Sicht. Schrittweise soll die Grenze in einem Zeitfenster von 17 Jahren angehoben werden, bis dann schließlich das Renteneintrittsalter bei stolzen 67 Jahren liegt. Begründet wird dies mit dem demographischen Wandel, das Humankapital kann noch länger verbraucht werden und wer dies nicht tut, dem soll eben zur Strafe die Rente gekürzt werden. Darum geht es nämlich tatsächlich. Sind nämlich die ab 60-Jährigen immer weniger in einem Arbeitsverhältnis, das ihnen erlaubt später Rentenansprüche zu erheben, so werden ihnen praktisch einfach die Jahren, in denen sie dann tatsächlich Zahlungen erhalten, gekürzt. Ein einfacher Betrug, der dem Staat allerdings die nötigen Finanzen für Kosten eintreiben soll, die andere verursacht haben. Konträr zur aktuellsten Regierungsstudie, in der die Quote derer, die zwischen 60 und 64 zunehmend noch beschäftigt sind, gibt es Studien, die bestätigen, dass es immer früher Berufsaussteiger gibt aufgrund des Burn- Out-  Syndroms oder von Krankheiten, die therapeutisch behandelt werden müssen. Druck, Stress und Konkurrenzkampf am Arbeitsplatz machen die Menschen immer häufiger krank. Für manche kommt der Renteneintritt dann zu spät. Biologisch können sie zwar dank modernster Techniken noch viel älter werden, aber um welchen Preis?

Und an dieser Stelle frage ich mich, ob ich eigentlich von der stetig ansteigenden Lebenserwartung der Menschen profitieren möchte? Will ich wirklich immer älter werden, wenn meine einzige Perspektive ist, dass ich noch zehn Jahre länger arbeiten muss, meinen Körper noch länger auslaugen und dann im Alter mit noch weniger leben muss? Werden Großväter, die in ihrem Garten sitzen und ihren Enkeln beim Spielen zusehen, bald nur noch eine Erzählung aus alten Tagen sein? Das macht mir Angst.

Marieke Wagenhäuser

Resúmen

La gente de Europa se hace mas y mas vieja. Por el cambio demográfico el grupo de los jubilados crece enormemente y gana así importancia. Ya en las próximas elecciones para el Parlamento Alemán ellos podrían representar la clase de edad mas abundante de los votantes. Sin embargo y en contra de toda comprensión del funcionamiento demográfico, sus necesidades todavía no son escuchadas. Y no se habla solamente de los jubiladas actuales, también la gente que se acerca a la edad de su jubilación tiene que temer por su su futuro.

En Francia millones de personas han salido a la calle para mostrar que no están de acuerdo con los planes del gobierno de aumentar la edad de la entrada en la jubilación de 60 a 62. En el futuro se puede obtener una pensión completa únicamente al edad de 67 y eso solamente si uno trabajó a menos 41,5 años en lugar de 40,5 como antes. Por eso, el 7 de Septiembre estimados 2,1 milliones de personas han participado en las manifestaciones y en la huelga que incluyó sindicatos de aeronáutica, camioneros, escuelas, jardines de niños y oficinas de correos.

En comparación con Francia que tiene la edad de jubilación mas baja de la UE, en Alemania el debate tiene lugar a otro nivel. Ahí la edad está actualmente en 65 años pero va a ser aumentado poco a poco a 67. La razón- la gente se hace mas vieja y puede entonces trabajar mas años. La realidad dice otra cosa. A partir de los 60 una gran parte de la gente ya no se encuentra mas en una relación laboral por razones de potencia productiva o de enfermedad lo que significa que la mayoría ya no puede llegar a la edad de 67 para obtener su renta completa. Así el gobierno encontró el modo mas simple de acortar las prestaciones.

Me pregunto si realmente puedo aprovechar del hecho de que gracias a los progresos médicos la gente se hace mas vieja si eso significa únicamente que al final mi cuerpo será explotado por mas tiempo. Me pregunto si en algunos años el abuelo que se recuesta en su mecedora mirando a sus nietos será un cuento del pasado.

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