Suchtverhalten aus der Perspektive eines Kindes, eine Momentaufnahme

Wenn die Eltern drogenabhängig werden, dann ist das Leben der Kinder von einer permanenten Unsicherheit durchzogen. Kinder lernen mit dem ständigen Wechsel der Umgebung und der Bezugsperson umzugehen und großzuwerden. Luise W. arbeitet seit vielen Jahren als Sozialarbeiterin und teilt mit uns eine Momentaufnahme, eine Begegnung mit Anton, einem kleinen Jungen, dessen Zukunft von den Entscheidungen der Mutter abhängt. Aus Gründen des Datenschutzes sind alle Orts- und Namenangaben frei erfunden.

Cuando los padres se convierten en drogadictos, la vida de los niños es marcada por una inseguridad permanente. Los niños deben aprender a crecer en ambientes diversos con personas que cambian constantemente. Luise W. trabaja desde hace muchos años como asistente social y nos comparte la historia de Antón, un niño de quien el futuro depende de las decisiones de su madre.

Antón pasó un largo tiempo viviendo con sus abuelos y hermanos, mientras su madre estaba recluida en la cárcel. Al ser liberada, el sueño del pequeño se hizo realidad “rencontrase con su amada madre”. Ambos vivieron días felices en una granja donde habitaban con otras familias. La vida de Antón parecía volver a la normalidad, creciendo con la atención de su madre, jugando con sus amiguitos, desarrollándose como un niño normal de su edad. Todo esto cambió cuando su madre repentinamente regresa al camino de las drogas, el desequilibrio y desinterés por su pequeño hijo. La mujer toma la decisión de dejar la granja, pese al desconcierto de sus compañeros y del propio Antón. Las lágrimas brotan y se resbalan en los rojizos cachetes de la mejor amiga de Antón, al enterarse de la partida de su compañero de juegos. Quizás será la última vez que se vean. El pequeño Antón lo único que resuelve a decirle a Louise W. con una voz quebradiza de un pequeñito que apenas aprender a hablar fue “es la decisión de mamá”.

Por razones de protección de datos personales todos los lugares y nombres son ficticios.

Lange Jahre – eine viel zu lange Zeit! – hatte der kleine Anton auf seine Mutter verzichten müssen, als sie drogenabhängig wurde, immer weiter abrutschte und schließlich ins Gefängnis kam. Er hatte Glück im Unglück (vergleicht man sein Schicksal mit dem vieler anderer Kinder) und konnte zusammen mit seiner Schwester bei den Großeltern aufwachsen. Er wurde dort liebevoll umsorgt. Aber die Sehnsucht nach seiner Mama war geblieben, sie wurde sogar immer stärker und schließlich war Anton (dies ist nun ein paar Monate her) am Ziel seiner kindlichen Träume: Seine Mutter war aus der Haft entlassen worden und mittlerweile im Zusammenleben mit “Schicksalsgenossinnen” in einer Drogen-Nachsorgeeinrichtung so stabil geworden, dass es zu verantworten war, Anton zu seiner Mutter ziehen zu lassen.

Dort blühte er auf: in ländlicher Umgebung, auf einem großen Bauernhof, zusammen mit anderen Kindern und immer in nächster Nähe zu seiner Mutter. Sein Leben verlief fortan in vermeintlicher Sicherheit. Die Liebe zu seiner Mutter und die Nähe zu ihr trösteten ihn hinweg über die Trennung von seiner Schwester und den Großeltern.

Doch es kam anders – warum auch immer. Kein Lehrbuch und kein wirklich aufschlussreiches Erklärungsmodell können es mir als erfahrene Sozialarbeiterin nachvollziehbar machen, weshalb urplötzlich der innere Schalter der Mutter wieder auf altes Suchtverhalten umsprang: Die zuvor so zugewandte und liebevolle Mutter begann urplötzlich, ihren Hauptaugenmerk wieder auf sich selbst zu legen, sie begann, die Bedürfnisse ihres Kindes zu übersehen und entschloss sich, den schutzbietenden Bauernhof und all die vertrauten Freunde und Gewohnheiten zu verlassen.

Diesen Augenblick des Fortgehens und Abschiednehmens, in dem plötzlich Freundschaften, Dankbarkeit und Mitverantwortung auch für die Geschicke anderer Mitbewohner des Hofes nichts mehr zählten, konnte ich zum ersten Mal persönlich miterleben! Eine kleine, gleichaltrige Freundin von Anton verabschiedete sich weinend von ihrem Spielkameraden, mit dem sie seit Monaten jede freie Minute auf dem Bauernhof verbracht hatte; sie erfasste die Situation, die sie schon leidvoll selbst erlebt hatte, voll und ganz, trotz ihres jungen Alters. Sie spürte und wusste innerlich, dass sie ihren Kinderfreund nie mehr wiedersehen wird. Anton selbst registrierte natürlich die Wende im Verhalten seiner Mutter, die sein weiteres Leben nun prägen wird. Wohin wird die Reise gehen? Wird eine ambulante Therapie seiner Mutter ausreichen, wird seine Mutter erneut einen Weg ohne ihn und seine Schwester antreten? Dies wäre das Schlimmste, was er sich vorstellen kann. Anton muss es so nehmen, wie es kommt, er hat als Kind keine Wahl und keinen Einfluss. Als ich fragte, ob ER selbst den Bauernhof verlassen will und wie es IHM damit geht, blickte er mich mit seinen großen, hellen und stillen Augen an und sagte in seinem bezaubernden, leicht gebrochenen Deutsch: “Ist Mama Entscheidung!”

Luise W.

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