Zum AUFSCHREIEN Peinlich!

Sexismus ist die Vorstellung, nach der eines der beiden Geschlechter dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts (Duden).

Sexismus ist die Diskriminierung, die Herabwürdigung oder die Verachtung deiner Person, weil du ein Mann oder eine Frau bist, weil du lesbisch oder schwul bist, weil du nicht so tickst wie Hinz und Kunz. Das ist ungerecht und das muss nicht sein (rollenrollen.ch).

Der Aufschrei zieht gerade durch das ganze Land. Mit mehr als 60 000 Posts innerhalb weniger Tage haben Frauen in ganz Deutschland auf Twitter ihre schockierenden Erlebnisse mit dem alltäglichen Sexismus unserer Gesellschaft veröffentlicht. Was ihnen entgegnet wird ist weder Respekt noch ein angemessener Umgang mit der Thematik an sich. Was ihnen entgegnet wird ist Hohn und eine erschreckende Ignoranz. Am liebsten würde der Großteil unserer Gesellschaft die Augen davor verschließen, wie sehr Frauen trotz unserer hoch gelobten „modernen“ gesellschaftlichen Entwicklung immer noch tagtäglich diskriminiert werden.

Für das, was gerade auf Twitter geschieht, sollte Frauen Respekt gezollt werden und anstatt Rechtfertigung für die Anzweiflung des Wahrheitsgehalts jedes Posts, sollte eine politische Auseinandersetzung stattfinden. Sexismus ist in unserer Gesellschaft immer noch präsent. Frauen werden nicht nur in personalpolitischen Angelegenheiten benachteiligt, sondern müssen sich sexistischen Äußerungen und Übergriffen allein wegen ihres Geschlechts tagtäglich stellen.

Eine Auseinandersetzung die längst überfällig ist, denn Sexismus lässt sich nicht totschweigen und verherrlichen. Genau das tun viele deutsche Politiker, und erschreckenderweise auch Politikerinnen (beispielsweise Erika Steinbach). Dies ist aber ein klares Zeichen dafür, dass unseren Politiker_Innen das Thema Sexismus unangenehm ist. Die Auseinandersetzung damit ist ihnen peinlich.  Die Frauen auf Twitter sollten sich vermutlich noch zusammenreißen und am besten die Klappe halten. Denn das ist die Norm unserer Gesellschaft. Wegschauen und sich hinter unserer modernen globalisierten Gesellschaft verstecken. Angeblich sind alle aufgeklärt, aber wenn wir ehrlich sind: Die meisten Menschen wissen, dass der Aufschrei auf Twitter der Wahrheit entspricht. Von Frauen wird in unserer Gesellschaft erwartet, dass sie schweigen. Schweigen darüber, dass Männer ihnen blöde Sprüche vor den Kopf hauen und sie dabei auch noch lächeln sollen. Schweigen darüber, dass sie am Arbeitsplatz diskriminiert werden und Angst haben müssen, dass ihnen genau derselbe Hohn entgegen schlägt wie jetzt, wenn sie über Sexismus offen sprechen.

 Der Aufschrei auf Twitter ist etwas Gutes, etwas Fortschrittliches, etwas Schockierendes und etwas Notwendiges.

 Der Auslöser der Debatte – ein Schauplatz der gesellschaftlichen Ignoranz

Die Vorwürfe sexistischer Äußerungen Brüderles gegenüber einer jungen Journalistin zeigen eindrucksvoll wie peinlich die Reaktionen der Gesellschaft teilweise sind. Sie sind zum Fremdschämen. So werfen Politiker (z.B. Wolfgang Kubicki) der jungen Journalistin vor, dass sie selbst schuld sei und dass es total unglaubwürdig wäre, nach so langer Zeit Vorwürfe gegen Brüderle zu erheben. Das ist eine lächerliche Argumentation! Es ist allseits bekannt, dass Politiker_Innen zu Wahlkampfzeiten mit Themen konfrontiert werden, die ihnen schaden sollen. Niemand muss Medienexpert_In sein, um zu wissen, dass andere Themen, die nichts mit Sexismus zu tun haben, ebenfalls aus der Vergangenheit gekramt werden, um in Wahlkampfzeiten eingesetzt zu werden. Insofern greift das Argument „Ist ja so lange her“ überhaupt nicht. Die Politik fährt hier ein reines Ablenkungsmanöver. Brüderles Fehltritt wird vertuscht und stattdessen wird er als Opfer deklariert.

Im Prinzip spielt es keine Rolle, warum die Vorwürfe erst jetzt erhoben wurden. Belästigung verjährt nicht. Zeit heilt in diesem Fall keine Wunden, sondern führt nur zu einer Aufschiebung der Debatte und Auseinandersetzung. Brüderle hat eine Grenze überschritten, die in unserer Gesellschaft jeden Tag überschritten wird. Jede Frau hat die geschilderte Situation der Journalistin mehrere, wenn nicht tausende Male erlebt. Und ja, es ist für Frauen alltäglich solchen Äußerungen ausgesetzt zu sein. Existierende Machtverhältnisse verstärken diese Situation nur noch. Brüderle, der arme Politiker! Die Journalistin, die nicht das gewünschte Interview bekommen hat und auf Rache sinnt!

 Warum die Debatte wichtig ist

Frauen sind Männern immer noch strukturell untergeordnet und es existieren immer noch hierarchische Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Das ist Realität. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden Frauen täglich vor Augen geführt und stützen somit die männliche Dominanz in unserer Gesellschaft.

Von Frauen wird erwartet, sich nach dem sexistischen Übergriff (sei er verbal oder nonverbal) direkt zu wehren. Dabei wird nicht darauf geachtet, dass jeder Mensch eine Grenzüberschreitung selbst definiert und Belästigung, sowie sexualisierte Gewalt die persönliche Empfindung dieser Grenzüberschreitung ist. Gerade lässt sich in deutschen Medien hervorragend beobachten, wie -gerade in der Debatte um Brüderle – die Journalistin diejenige ist, von der Rechtfertigung erwartet wird. Die Gesellschaft verlangt Objektivität. Was die Journalistin wahrgenommen hat, wird leichtfertig heruntergespielt.

Peinlicher geht es kaum, denn nur so ist es möglich, Frauen weiterhin indirekt den Mund zu verbieten und weiterhin die strukturelle Ungleichheit zu fördern. Frauen nicht ernst zu nehmen ist normal und deshalb sind die Reaktionen auf den Aufschrei der größte Beweis dafür, dass die Sexismus Debatte geführt werden muss, dass Menschen sensibilisiert werden und wir einen weiteren Schritt in Richtung einer gerechteren Gesellschaft unternehmen. Mit Sexismus muss sich auseinandergesetzt werden, auch um Frauen zu schützen.

 Das Schweigen brechen

Das was gerade in Deutschland bezüglich der Sexismus Debatte passiert ist peinlich. Peinlich, weil Politiker_Innen die Täter schützen und die Thematik nicht ernst nehmen. Peinlich, weil sich lustig gemacht wird über so viel Mut. Peinlich, weil am liebsten alles so weitergehen soll wie bisher.

Das Schweigen muss gebrochen werden. Und jede Frau, die auf Twitter einen Aufschrei niedergeschrieben hat, hat Mut bewiesen und damit gegen die gesellschaftliche Norm verstoßen.

Wenn Mut und Aufschrei in unserer Gesellschaft unterdrückt werden soll, dann ist das peinlich! Also schreien wir einfach weiter auf, bis ihr uns hört.

Anna Schramowski

resumenEn mas de 60 000 posts de Twitter, las mujeres en toda Alemania compartieron en pocos dias sus molestas experiencias con el sexismo cotidiano. Lo que estas mujeres tienen que confrontar ahora no tiene nada que ver con respeto ni con un manejo apropiado del tema de género. Al contrario, se encuentran frente a la ignorancia y la burla. A lo mejor, la mayor parte de la sociedad alemana preferiría cerrar sus ojos a la discriminación a la mujer y eso aunque nos encontramos supuestamente en una sociedad “moderna”.

De las mujeres se espera que después de un ataque sexista (verbal o no-verbal) se defiendan. Esperamos de las mujeres que se justifiquen. Estamos en una sociedad que proteje un sistema donde los hombres dominan a la mujeres y donde esperamos que las mujeres toman su dominación con una sonrisa. ¡Tenemos que romper con estas normas! ¡Tenemos que gritar lo suficientemente fuerte, para que finalmente se escuche la voz de las mujeres!

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One response to “Zum AUFSCHREIEN Peinlich!

  1. Ich möchte hier noch einmal anmerken, das natürlich auch Männer lobenswerte Kommentare zum Aufschrei verfasst haben. Männer können selbstverständlich ebenfalls von Sexismus betroffen sein. In meinem Artikel habe ich mich allerdings- um einen roten Faden zu erhalten- speziell auf Frauen als Betroffene fokussiert. :)

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