One Billion- Wenn die Erde im Rhythmus wackelt, fällt der Gewalt die Maske vom Gesicht

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Aus einem tragbaren Rekorder tönt plötzlich Musik. Die ersten bleiben stehen, schauen sich um. Die Musik wird lauter und die stehenbleibenden Passanten schauen neugierig auf die Gruppe von Frauen, die mitten auf dem Marktplatz anfangen zu tanzen. Einige scheinen einer festen Choreographie zu folgen, andere folgen einfach ihrem Gefühl. Aber alle sind sie ganz da, sie sind präsent, denn sie wollen eine Nachricht verbreiten: Zu diesem Moment, an diesem Tag sind wir „one billion“ tanzende Frauen! Aber während wir tanzen, während unsere Körper sich im Rhythmus bewegen, während wir lachen und die Musik die Luft mit Freude erfüllt, gibt es überall auf der Welt und zu genau diesem Zeitpunkt one billion Frauen, die Gewalt erleiden.

Klein und Groß waren in Göttingen dabei © WirNosotros

Klein und Groß waren in Göttingen dabei © WirNosotros

Die Gewalt an Frauen hat viele Gesichter. Sie zeigt sich physisch, sie zeigt sich körperlich, sie hinterlässt sichtbare und unsichtbare Narben. Gewalt an Frauen ist das drängende Streichen einer Männerhand über das Knie der Kollegin, sie ist der kurze Griff auf den Po einer Frau in der Metro, sie ist die Rasierklinge, die einem Mädchen die Klitoris entfernt, sie ist das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern, sie ist die gläserne Decke, die stacheldrahtartig den beruflichen Aufstieg verhindert, sie ist der Kugelhagel, der den Körper der kleinen Malala durchdringt, sie ist das Schulverbot für Mädchen, sie ist das geschwollene Auge, welches die geschlagene Frau mit Make up zu verstecken versucht, sie ist das kleine Mädchen, dessen Kindheit mit dem „ersten Mal“ brutal zu Ende gegangen ist, sie nimmt auch Gestalt an in den vielen Frauen, die sich ihr zu Komplizinnen machen. Und sie ist so viel mehr. Und wahrscheinlich würden wir ihr einen Dienst erweisen, wenn wir sie fest definieren und eine lange Liste anfertigen würden mit den hundert Arten der Vergehen an Frauen. Dann bräuchten wir uns nicht mit den tausend weiteren subtilen Arten der Gewalt beschäftigen. Die Gewalt wäre mit einem blauen Auge davon gekommen.

© WirNosotros

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Auch wenn Gewalt einem alten Muster folgt und das Ergebnis lang gehegter paternalistischer Strukturen ist, scheint ihrer Kreativität und Varietät also keine Grenzen gesetzt zu sein. Sie wandelt sich mit der Zeit, mit der Kultur, mit dem Entwicklungsstand und mit dem politischen System. Allzu leicht verfallen wir Westeuropäer in den Glauben, der Industrialisierung und der ökonomischen Entwicklung unserer Länder sei die humane Entwicklung im Gleichschritt gefolgt. „Modernisierung“ und „Fortschritt“ werden zu nebulösen Begriffen, die uns wie der Rattenfänger von Hameln ihr Dogma einsäuseln und uns in die Höhle treiben. Fortschritt ist der Zeitgeist, das unsichtbare Etwas, das Unaufhaltsame, das Nicht-Hinterfragbare. Flexibilität, Überstunden, atmende Unternehmen, Kredite und Finanzströme- diese Begriffe sind das Blut in unseren Venen. Mit Schamesröte müssten wir auf den Boden blicken, wenn wir uns tatsächlich ernsthaft damit auseinandersetzen müssten, ob wir nicht in einer Welt leben, die nach den gleichen Regeln funktioniert wie sie schon seit hunderten von Jahren funktioniert, ob der „Zeitgeist“ nicht einfach der Gewalt ein neues Gesicht verliehen hat, um ihr Überleben in der modernen Welt zu sichern. Was wäre, wenn wir aufhören würden über die Lohngefälle und den netten Kniff in die Pobacken (der ja keine Bedeutung hat und ja auch nur ganz nett gemeint ist!) einfach hinwegzuschauen und als alltäglich „Kleinigkeit“  abzutun? Was wäre, wenn wir uns erdreisten würden dies auch noch Gewalt zu nennen? Was wäre, wenn eine Frau, die ihr Leben lang zwischen Kindererziehung und Teilzeitbeschäftigung hin und her gehetzt ist, die dafür ein Drittel weniger Gehalt bekam als ihr männlicher Kollege, die entlassen wurde, als offensichtlich wurde, dass sie „schon wieder“ schwanger ist und deren Rente im Alter hinten und vorne nicht reicht, von Gewalt sprechen würde? Das wäre absurd oder?

Marieke Wagenhäuser

Weitere Informationen unter: onebillionrising.org

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Cuando la tierra tiembla con el ritmo, por un momento a la violencia se le cae la máscara

Desde una grabadora, se escucha de repente la música. Los primeros transeúntes se detienen y miran a su alrededor. La música se vuelve más fuerte y los curiosos echan un vistazo al grupo de hombres y mujeres que comenzamos a bailar en medio de la plaza. Algunas parecemos seguir una coreografía fija, otras solamente seguimos nuestros sentimientos. Pero todas nosotras estamos ahí, estamos presentes, porque queremos difundir un mensaje: ¡En este momento, en este día somos “un billón” de mujeres bailando! Pero mientras bailamos, mientras nuestros cuerpos se mueven al ritmo de la melodía, mientras nos reímos y la música llena el aire con alegría, hay en todo el mundo y en este mismo momento un billón de mujeres que sufren de violencia.

La violencia contra las mujeres tiene muchas caras. Se manifiesta físicamente, deja cicatrices visibles e invisibles. La violencia contra las mujeres es la mano del jefe que aprovecha su posición y acaricia la rodilla de su empleada, es una nalgada en el metro, es la hoja de afeitar que corta el clítoris de una niña, es la diferencia salarial entre los géneros, es la delgada línea que impide el avance de una mujer en su profesión, son las balas que penetran en el cuerpo de la pequeña Malala, es la prohibición de las escuela para niñas, es el ojo hinchado detrás del maquillaje, es la niña cuya infancia se terminó brutalmente con la “primera vez”, también violencia son las muchas mujeres que se hacen cómplices de ella. Y la violencia es mucho más. Probablemente, le haríamos un favor al enlistar algunos tipos de delitos contra las mujeres. Entonces no tendríamos que ocuparnos de las mil y otras formas sutiles de violencia.

Incluso si la violencia sigue un patrón viejo siendo el resultado de arraigadas estructuras paternalistas, su creatividad y variedad parece no tener fin. Ella cambia con el tiempo, con la cultura, con el nivel de desarrollo y con el sistema político. Con demasiada facilidad los europeos occidentales piensan que junto con la industrialización y el desarrollo económico de nuestros países, el desarrollo humano también siguió el mismo camino. “Modernización” y “progreso” son términos demasiado nebulosos. El progreso es el espíritu de la época, es algo invisible e imparable, es algo que no se cuestiona. Flexibilidad, horas extras y créditos, estos términos son el común denominador en nuestras vidas. Con rubor tendríamos que mirar al suelo, si alegáramos que no vivimos en un mundo que funciona de acuerdo a las mismas reglas que existen desde hace cientos de años. El progreso simplemente ha mostrado una nueva cara para la violencia, y así asegurar su supervivencia en el mundo moderno.

¿Qué sucedería si no dejáramos pasar por alto la diferencia salarial y el golpecito en la nalga, y lo dejáramos de ver como algo común y natural? ¿Qué pasaría si nos atreviéramos a llamar eso incluso como violencia? Y si una mujer que toda su vida se basó en criar a sus hijos y que de su empleo de medio tiempo, del cual recibe un tercio del salario que sus colegas hombres, será despedida cuando se haga evidente que está embarazada “otra vez” y que al final solo obtendrá una pensión que no alcanzaría para vivir con dignidad ¿se hablará de violencia? Eso sería absurdo, ¿no?

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One response to “One Billion- Wenn die Erde im Rhythmus wackelt, fällt der Gewalt die Maske vom Gesicht

  1. Marieke,
    tu articulo descubre las diferentes formas de violencia contra mujeres. Todos tenemos que avergonzarnos que en realidad desgraciadamente no ha cambiado nada a lo largo de los anos! Al contrario – hoy dia hay tipos de violencia mas sutiles que no se averigua espontaneamente! He leido solamente la version espanol antes de comentarla!
    Heiko

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